Januarreise der Familie Delker

»Ruandareise vom 23. – 28. Januar 2005 Eine Woche lang hat Rolf Delker mit seiner Frau Ruanda besucht, um herauszufinden, ob Delker Optik dazu beitragen kann, das Land weiter zu entwickeln. Die Reise wurde von Herrn Helmut Schmitt aus Kaiserslautern geleitet, der vor 15 Jahren ein Krankenhaus in Ruli, 80km nördlich der Hauptstadt Kigali gegründet hat. Die Klinik ist mittlerweile ein Vorzeigeobjekt in Ruanda geworden: es gibt 130 Betten und drei Ärzte. Neben dem Krankenhaus ist eine Krankenpflegeschule für 200 Jugendliche, ein Waisenhaus für ca. 150 Kinder, mehrere Schulen für jeweils ca. 800 Kinder und eine Postkarten- und Schneiderwerkstatt entstanden. Vor Ort wird das Projekt betreut von drei spanischen Ordensschwestern, die dort vor 30 Jahren mit einer kleinen Krankenstation begonnen haben.«

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In Ruanda leben 8,5 Mio Menschen auf einem Staatsgebiet so groß wie Rheinland-Pfalz und Saarland, verteilt auf „tausend“ Hügeln zwischen 1500 und 4500 Metern Höhe. Das Land liegt nahe am Äquator, ist aber wegen der Höhenlage nicht so heiß, etwa 15 – 25° C, mit einer großen und einer kleinen Regenzeit.
Die Menschen leben von Subsistenzwirtschaft, d.h. von der Hand in den Mund: jede Familie/Sippe hat um seine Lehmhütte einige Minifelder verteilt, die sie ernähren sollen: Bohnen, Mais, Kochbananen, Sorghum, Maniok, Kartoffeln, Zuckerrohr – dieses Jahr ist der Regen nur spärlich gefallen und die Ernten sind schlecht. Die Wälder sind fast alle abgeholzt und für ein bisschen Brennholz für die offenen Kochstellen müssen die Menschen oft tagelang laufen.
Das Wasserholen von den wenigen Brunnen am Wegrand oder von den Flusstälern ist häufig ein Tagesmarsch.
70% der Bevölkerung sind unter 25 Jahre: Kinder wohin man sieht.

Durch den Völkermord zwischen Hutus und Tutsis vor 10 Jahren haben fast alle Familien einige Mitglieder verloren, Menschen wurden verstümmelt und humpeln heute als Krüppel durchs Leben, Kinder wurden zu Waisen.

Die offizielle Aidsrate liegt bei 15%. In den Waisenhäusern, wenn es denn welche gibt, ist der Anteil der HIV infizierten Kinder mindestens doppelt so hoch, da immer mehr Kinder ihre Eltern durch Aids verlieren. Oft werden die Aidswaisen allerdings auch von nahen Verwandten oder sogar von fremden Familien aufgenommen.
Neben Aids werden in den Krankenhäusern Unter- und Mangelernährung, Malaria, Durchfälle, Lungenerkrankungen ( wegen der offenen Feuer und der feuchten, kühlen Nächte in der Regenszeit ), Verkrüppelungen (z.B. weil die Kinder ins Feuer fallen), Ekzeme u.a. behandelt.
Traditionell arbeiten die Frauen, mit einem Kind auf dem Rücken und zwei weiteren Kleinen am Rockzipfel mit Hacken auf den Feldern, während die Männer die Hütten „bewachen“, wahrscheinlich wichtige Gespräche führen und darauf warten, dass die Frauen zum Kochen heimkommen und sie für weiteren Nachwuchs sorgen können.
Die meisten Ruander sind sehr katholisch und auch die Kirche in Ruli ist größer als das Krankenhaus.

Es gibt in Ruanda eine offizielle sechs jährige Schulpflicht, aber manche Familien können sich die
25 Eurocent jährliches Schulgeld nicht leisten. In vielen Schulen gibt es keine Schulhefte oder Stifte und die Kinder müssen alles auswendig nachsagen, was ihnen der Lehrer vorspricht. Von der ersten Klasse an lernen sie französisch und englisch, ihre Muttersprache heißt kinyarwanda. Nach der Grundschule gehen die meisten Kinder zurück auf die Felder oder versuchen ihr Glück in den Coltanminen. Die allerwenigsten haben die Möglichkeit die weiteren sechs Jahre Oberschule zu besuchen, oder später sogar zu studieren. Wer tatsächlich eine Ausbildung machen kann oder einen akademischen Abschluss erreicht, geht wenn möglich ins Ausland, weil dort das Leben bequemer ist und die Verdienstmöglichkeiten besser sind.

Für die 8,5 Mio Ruander gibt es einen Augenarzt, der auch für die Christoffel Blindenmission Kataraktoperationen durchführt und in der Hauptstadt finden sich 3 Optiker. Die Optiker und die Christoffel Blindenmission sind gut mit Fassungen (auch aus den Brillensammlungen) versorgt, aber es fehlen Gläser. Es gibt kurioserweise sechsmal so viele Hyperope (Weitsichtige) wie Myope(Kurzsichtige).

Als Fazit der Reise wurde angedacht am Krankenhaus Ruli eine Optikerwerkstatt einzurichten. Dann könnte das Land mehrmals im Jahr für ca. zwei bis drei Wochen besucht werden, um an den Schulen mit Probierbrille zu refraktionieren und die Brillen in der Werkstatt zu machen. Dabei könnten auch einheimische Jugendliche angelernt werden.
Ein Wunsch der Regierung wäre es, mit unserer Mithilfe einen einjährigen Lehrgang für Werkstattoptiker und Refraktionisten zu entwickeln und zu begleiten.