Bohnenaktion trägt Früchte

»Verein Krankenhaus für Ruanda hilft Waisenkindern – Lauterer Ärzte im Einsatz Die „Bohnenaktion“ von Helmut Schmitt, dem Vorsitzenden des Vereins „Krankenhaus für Ruanda“, hat Früchte getragen. Im Frühjahr dieses Jahres hatte Schmitt, der gerade von einer Reise aus Ruanda zurückgekehrt war und die dortige Hungersnot vor Augen hatte, Lauterer Schulen aktiviert, Bohnen, das Stück für 25 Cent, zu kaufen. Exakt zu dem Kaufpreis, zu dem Schmitt wiederum ein Kilo Bohnen ordern konnte.«

Rund 20 Schulen aus Stadt und Landkreis hatten sich an der Aktion beteiligt. Das Ergebnis: Die 20 Tonnen Bohnen, die Schmitt bereits im Februar über Sponsoren in Ruanda kaufen konnte, wurden um weitere 15 Tonnen aus Kaiserslautern ergänzt. Hinzu kommen 47 Tonnen Maismehl, 2,5 Tonnen Reis und 600 Kilo Milchpulver, die zur Entspannung des Nahrungsmittelengpasses rund um das Krankenhaus in Musasa (Provinz Ruli) beitragen. Der Hintergedanke Schmitts: Jede Familie, die ein Kind aus dem Waisenhaus bei sich aufnimmt und damit Platz für die Aufnahme weiterer Waisenkinder macht, erhält wöchentlich ein Kilo Bohnen als Nahrungsmittelergänzung. „30 Familien sind bislang auf das Angebot eingegangen. Im Waisenhaus konnten 30 neue Kinder aufgenommen werden“, berichtet Schmitt, der vor wenigen Tagen von einem Besuch aus Ruanda zurückgekehrt ist.

Begleitet wurde der Ideengeber von Krankenhaus, Waisenhaus, einer Ausbildungsschule für Krankenhausberufe und eines Gesundheitszentrums in Monanira von einem Ärzteteam aus der Pfalz. Mit von der Partie waren die Anästhesistin Heidi Paschen und der Frauenarzt Dieter Susemihl, beide aus Kaiserslautern, sowie Sven Sievers, der ehemalige Chefarzt der Frauenklinik Hetzelstift in Neustadt. „Unser Anliegen war es, das dreiköpfige Ärzteteam am 132 Bettenkrankenhaus in Musasa bei komplizierten gynäkologischen Operationen zu unterstützen“, berichtet Susemihl. Es habe eine Liste mit Patientinnen gegeben, die der Dringlichkeit nach behandelt wurden. „Die Chemie zwischen uns Ärzten hat gestimmt. Angefangen von der Verständigung bis hin zur Zusammenarbeit. Im OP herrschte eine tolle Atmosphäre. Die Arbeit hat uns viel Spaß gemacht. Sie war ein Gewinn für uns alle“, fasst der Lauterer Frauenarzt seine Eindrücke vom Arbeitseinsatz in Ruanda zusammen. Wenn man mit den Problemen der Menschen in Ruli konfrontiert werde, erscheinen die Alltagssorgen in Deutschland in einem anderen Licht. „Ich kann sie mittlerweile mit großer Gelassenheit betrachten.“ Weil er von dem Einsatz und dem menschlichen Klima im Krankenhaus von Musasa so beeindruckt sei, hat der Frauenarzt weitere OP-Dienste im Partnerschaftsland von Rheinland-Pfalz zur Freude Schmitts signalisiert.

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Susemihl stellte sich mit dem Arbeitseinsatz nicht zum ersten Mal in den Dienst einer guten Sache. Bereits als junger Assistenzarzt behandelte er in den 70er Jahren regelmäßig Patienten in Afrika. Seit 2004 fliegt er vierteljährlich nach Nairobi, in die Hauptstadt Kenias, um in einem SOS Kinderdorf den Ärmsten der Armen ärztliche Hilfe zukommen zu lassen. Eine Initiative des Lauterer HNO-Arztes Klaus Döderlein, von der er sich habe begeistern lassen, sagt Susemihl.

Nicht müde wird Helmut Schmitt, sein Lebenswerk in Ruanda bedarfsgerecht auszubauen. Ergänzt wurde das Projekt aus Kaiserslautern um eine Aidsstation, ein Gebäude mit Behandlungsräumen und einer Entbindungsstation für an Aids erkrankten Frauen. Ebenfalls neu ist ein Optikerladen. Er wurde von Erika Hauss-Delker, einer Optikerin aus Eisenberg, im Gesamtwert von 50.000 Euro eingerichtet. Laut Schmitt gibt es in ganz Ruanda gerade mal fünf Optikerläden. „Einer befindet sich jetzt in unserer Provinz“, berichtet er nicht ohne Stolz. Der augenärztliche Notstand sei groß. Um so mehr freue er sich, dass ein Optiker, der einmal den Laden führen soll, derzeit in Kigali ausgebildet werde.

Helmut Schmitt wäre nicht Helmut Schmitt, hätte er nicht bereits ein weiteres Projekt ins Auge gefasst. Am Herzen liegt ihm die Verbesserung der zahnärztlichen Versorgung in der Provinz Ruli. Dafür ist der ehemalige Handelsvertreter momentan auf der Suche nach Sponsoren und nach medizinischem Gerät, das die zahnärztliche Arbeit erleichtern soll. Noch im Bau befindet sich zurzeit ein Gebäude mit 240 Schlafräumen. Es ist einer landesweiten Krankenhausschule angegliedert, in der junge Afrikaner krankenhaustypische Ausbildungsberufe erlernen. Nichts kommen lässt Schmitt auf die fünf spanischen Dominikanerinnen, die vor Ort Regie führen. „Es sind unglaubliche Ordensfrauen. Ihnen gilt meine höchste Achtung und größte Ehrfurcht. Es sind zwar nur fünf, aber sie arbeiten wie 50.“

Joachim Schwitalla