Krankenhaus Ruanda e.V.

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Optiker-Ehepaar Delker engagiert sich in Ruanda

»„Das Krankenhaus hat die Region nachhaltig positiv beeinflusst“
EISENBERG: Optiker-Ehepaar Delker engagiert sich in Ruanda – Werkstatt bei Kinderklinik – Augenarzt fehlt noch
„Nächste Woche geht ein Container mit Gerätschaften für eine Optikerwerkstatt per Schiff auf die Reise, 3500 Brillengläser der gängigsten Stärken sind bestellt und ich habe versprochen, beim nächsten Besuch einen Augenarzt mitzubringen“, berichtet Erika Hauß-Delker. Die Optikerin zählt die Bausteine ihrer Hilfe für das rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda auf wie einen Behandlungsplan. „Ein bisschen heile Welt“ solle geschaffen werden in einem der ärmsten Staaten der Erde, sagt sie.«

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„Nächste Woche geht ein Container mit Gerätschaften für eine Optikerwerkstatt per Schiff auf die Reise, 3500 Brillengläser der gängigsten Stärken sind bestellt und ich habe versprochen, beim nächsten Besuch einen Augenarzt mitzubringen“, berichtet Erika Hauß-Delker. Die Optikerin zählt die Bausteine ihrer Hilfe für das rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda auf wie einen Behandlungsplan. „Ein bisschen heile Welt“ solle geschaffen werden in einem der ärmsten Staaten der Erde, sagt sie.
Vor etwa einem Jahr haben sie und ihr Ehemann Rolf Delker, Inhaber und Gründer der gleichnamigen GmbH mit Hauptsitz in Eisenberg, sich dazu entschlossen, ihren Beitrag dazu zu leisten. Die Idee sei auf dem Golfplatz entstanden, erklärt die 50-Jährige. Beim Golfclub am Donnersberg, wo im Juli dieses Jahres zum siebten Mal ein Charity Tunier zugunsten Ruandas stattfand, spielt auch der Kaiserslauterer Helmut Schmitt. Der ehemalige selbstständige Betreiber einer Handelsagentur ist seit 16 Jahren für das afrikanische Land aktiv und hat das Unternehmerpaar „angesteckt“.
„Mit den finanziellen Mitteln aus meinem beruflichen Erfolg wollte ich etwas Gutes tun“, erläutert Schmitt seinen Grundgedanken, mit dem alles begann. Mit Waisenkindern sei er zum Fußballstadion am Betzenberg gefahren, für eine Frau in Not habe er eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Dann sah er im Fernsehen einen Beitrag über Ruanda. Das gab den Ausschlag für weitere Aktivitäten, die den heute 69-jährigen Rentner „im Unruhestand“ bis jetzt beschäftigten und auch weiter beschäftigen werden. 1989 gründete er den Verein „Krankenhaus Ruanda“, um Geld zur Errichtung und Unterhaltung einer Kinderklinik in dem afrikanischen Land zu sammeln. Der Erste Spatenstich in Ruli in der Provinz Rushashi, etwa 70 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kigali, erfolgte 1990. Ein Jahr später konnte das Krankenhaus in Trägerschaft der katholischen Kirche mit 130 Betten eingeweiht werden.
Inzwischen hat sich rund um das Hospital, in dem neben drei spanischen Ordensschwestern drei Ärzte tätig sind – unter anderem der einzige Kinderchirurg des Landes –, eine Oase entwickelt. Es gibt ein Waisenhaus für 125 Kinder, eine Krankenpflegeschule für 120 Schülerinnen, eine Kirche, allgemein bildende Schulen sind im Bau und im Dezember wird ein Aidshaus mit Beratungsraum eröffnet. „Es ist eine richtige Hauptstraße mit Kneipen und kleinen Geschäften entstanden“, erzählt Hauß-Delker sichtlich fasziniert von der aufgekeimten Infrastruktur mitten in der Berglandschaft des Staates, der nur so groß ist wie Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammen und 8,5 Millionen Einwohner hat. Während einer Ruanda-Reise im Januar hatte sie sich vor Ort ein Bild gemacht. Allein 33 Familien lebten jetzt von der Herstellung von Klapp-Postkarten, auf die sie mit getrockneten Bananenblättern kleine Kunstwerke kleben, so Hauß-Delker.
„Durch das Krankenhaus wurde die ganze Region nachhaltig positiv beeinflusst“, sagt sie. Da ihre Firma in einem halbmedizinischen Bereich arbeite, es in ganz Ruanda nur einen Augenarzt und wenige Optiker gebe, habe es sich angeboten, sich an der Weiterentwicklung zu beteiligen. Eine Optikerwerkstatt mit einer Fachkraft sollte an der Klinik eingerichtet werden. Einen Mitarbeiter aus Deutschland nach Afrika zu schicken, um dort Einheimische ins Optikerhandwerk einzuführen, erschien aufgrund der Sprachbarriere wenig Erfolg versprechend. Die Idee, umgekehrt einen Ruander in der Bundesrepublik auszubilden, wurde auch verworfen, weil die Gefahr besteht, dass dieser nicht mehr in seine Heimat zurückkehrt. „Schließlich haben wir in Kigali den Optiker Jean-Baptiste Minani gefunden, der sich bereit erklärte, jemanden auszubilden, wenn wir ihn unterstützen“, berichtet Hauß-Delker.
Bei ihrer zweiten Ruanda-Reise im Oktober, bei der die Eisenbergerin auch von zwei Gynäkologen und einer Anästhesistin begleitet wurde, die in Ruli ehrenamtlich Operationen durchführten, war das Haus für die Optikerwerkstatt mit zwei Räumen und einem Augenarztzimmer bereits fertig. Die Ruanderin Irène Uwisanze wird gerade zur Optikerin ausgebildet. „Die Menschen dort fragen nicht nach dem Fisch, um satt zu werden, sondern nach der Angel und der Anleitung“, freut sich Schmitt darüber, dass die Hilfe zur Selbsthilfe, für die sein weltweit 870 Mitglieder zählender Verein mit großzügiger Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz bisher fünf bis sechs Millionen Euro aufgebracht hat, angenommen wird. Jetzt fehlt nur noch der Augenarzt. Den hofft Erika Hauß-Delker demnächst zu finden.

Erschienen in der Rheinpfalz, 5.11.2005, Anja Benndorf

 

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